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Bienen bestäuben für unser Dasein, was tun wir für sie?

Bienen in der Bienenwabe © Birgit Raab

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Der Schwarm des Lebens!

„Bienchen summ herum“, heißt es so schön in einem Volkslied. Sie summen auch heuer wieder, Gott sei Dank. Egal ob Wild- oder Honigbienen, sie faszinieren und rücken in den Fokus – als Grundlage des Lebens. Eine Reportage von Michaela Auer.

Wälder, Wiesen, Flüsse – unsere Heimat bietet eine riesige Artenvielfalt in Flora und Fauna, was maßgeblich für eine gesunde und natürliche Entwicklung unserer Ökosysteme ist. Aber aufgepasst, es ist nicht selbstverständlich, dass die Landschaft immer wieder in Blütenpracht steht und Pflanzen Früchte tragen. Dafür braucht’s Millionen von Insekten, die unser Land bevölkern und die Blühpflanzen bestäuben, darunter Schmetterlinge, Käfer, Fliegen – und vor allem: Bienen!

Imkerei im Mostviertel

Honigbienen sind hinlänglich bekannt. Die Mostviertler Imkerei erfreut in den letzten zehn Jahren mit Zuwachsraten, insgesamt sind derzeit in Niederösterreich über 5.000 Imker aktiv. Jeder kümmert sich im Durchschnitt um acht Bienenvölker. Pro Bienenvolk sind das zwischen 50.000 und 70.000 Bienen, was wunderbar viele, bedeutsame Honigbienen ergibt. 

Bienenfoto aus dem Kneippgarten © CURHAUS Bad Kreuzen.jpg
© CURHAUS Bad Kreuzen

Fotografiert an einem wunderschönen Tag im Kneippgarten des Curhaus Bad Kreuzen. Alles steht in voller Blüte, Schönheit und Vielfalt der Natur verzaubern!


Wendet man den Blick ins Mostviertel, dann waren 460 Imker im Jahr 2013 aktiv, 2024 gibt es alleine in unserem Viertel bereits 650 Imker, wobei im Bezirk Amstetten der Frauenanteil bei 23 Prozent liegt. Sehr tragend sieht Heidi Fuchssteiner die Wissensvermittlung über die Wichtigkeit der Imkerei von klein an. So wird das Angebot von „Schule am Bauernhof“ bei der Bio-Imkerei Fuchssteiner in Oberndorf an der Melk groß geschrieben.

Welche „Berufe“ gibt es unter den Bienen und wie erkennt man diese? Wieso kann man männliche Bienen streicheln? Was ist ein „Apidom“ und wie hört es sich in einem Bienenstock so an? Was macht Bienenwachs so besonders und wie verschieden können Honigsorten schmecken und warum? – All diese Fragen und mehr beantwortet die leidenschaftliche Bio-Imkerin den Kindern je nach Alter auf ganz besondere Art und Weise. 

Schaubienenstock © Heidi Fuchssteiner.jpg
© Heidi Fuchssteiner

Honigraum, St.Georgen/Ybbsfeld: www.honigraum.at 

Kampagne der eNu: www.wir-fuer-bienen.at

Verein zur Förderung der Wildbienen: www.wildbienengarten.at

Biene Österreich: www.biene-oesterreich.at 

»Vielen ist nicht bewusst,
dass die Bestäubung der Pflanzen durch Bienen die Grundlage für unser Leben ist«

stellt Elisabeth Selner vom Mostlandhof klar.

Im Rahmen einer sehr beliebten Initiative kann man „Bienen-Goli“ oder Göd werden, so auch bei den Fuchssteiners: „Wir vergeben zielgerichtet und in überschaubarem Rahmen Bienen-Patenschaften. Damit möchten wir die Imkerei zum spürbaren Erlebnis für alle machen. Zwei Mal im Jahr dürfen uns die Bienen-Paten beim Imkern über die Schultern schauen und bekommen als Pate natürlich auch den feinsten Bio-Honig von uns.“ 

Bienenpatenschaft © Heidi Fuchssteiner
© Heidi Fuchssteiner

Eine eigene Wissenschaft

Oberstes Gebot für gutes Gelingen ist für Fabian Pöcksteiner vom „Honigraum“ in St.Georgen am Ybbsfelde theoretisches und praktisches Wissen. Vielerorts gibt es Imkervereine, wo auch regelmäßig Kurse angeboten werden, die jeder Imker zum Austausch und zur Weiterbildung nutzen sollte. Zudem hängt der Erfolg der Imkerei wesentlich vom Aufstellungsplatz der Bienenvölker ab. Empfehlenswert sind sonnige, windgeschützte und ruhige Lagen mit vielseitigem Nektar- und Pollenangebot über das ganze Jahr verteilt. Bienen haben übrigens hohen Wasserbedarf. Es ist sehr vorteilhaft, wenn ein natürliches Wasserangebot oder eine Bienentränke vorhanden ist. 

»Jeder kann Blühinseln in Gärten schaffen, auch das ist Bienenschutz« 

wünscht sich Fabian Pöcksteiner vom Honigraum.

Bienenschutz bedeutet, die Völker so aufzustellen, dass im Umkreis von drei Kilometern im Wesentlichen ökologisch bewirtschaftete Flächen oder Wildpflanzen bestehen. Optimal, wenn hier auch keine Pestizide verwendet werden. „Jeder kann, wo immer möglich, Blühinseln in Gärten schaffen, auch das ist Bienenschutz“, wünscht sich Fabian Pöcksteiner. 

Asiatische Hornisse gefährdet unsere Bienen

2004 wurde die in Zentral- und Ostasien beheimatete Hornissenart Vespa velutina nach Frankreich eingeschleppt und hat dort in vielen Regionen große Schäden an Bienenvölkern verursacht. Auch im Obst- und Weinbau wird ihr Auftreten immer problematischer. Mittlerweile hat sie sich in weiten Teilen Europas ausgebreitet – im April 2024 wurde auch in Österreich ein erster Fund bestätigt.

Asiatische Hornisse:

2004 wurde sie aus Südostasien nach Frankreich eingeschleppt. Zwischenzeitlich findet sie neben der iberischen Halbinsel bis nach Deutschland Verbreitung. Das Problem: die Asiatische Hornisse frisst vorzugsweise Honigbienen und lauert diesen an den Bienenstöcken auf. Für den Menschen nicht gefährlicher als die hier heimische Variante, ist die Asiatische Hornisse damit jedoch eine echte Gefahr für ganze Bienenvölker.

Bei Verdacht einer Sichtung sollte dies der  Abteilung Naturschutz des Landes unter

post.ru5@noel.gv.at gemeldet werden.

Weitere Infos  www.ages.at

Die Asiatische Hornisse jagt bevorzugt Bienen und Wespen, um ihre Brut zu versorgen und lauert oft den heimkehrenden Bienen vor den Stöcken im Schwebflug auf. Bei hoher Dichte der Asiatischen Hornisse kann es zur Schwächung der Völker und sogar zu Völkerverlusten kommen.

Jung-Imker vor den Vorhang

Elija Raab – ein junger, sehr zielstrebiger Mann aus dem Waldviertel – sagt, dass Bienen sein größter Schwarm sind. Er hat mit 7 Jahren mit seinem Onkel einen Imkerkurs besucht und besitzt seit dem 8. Lebensjahr seine eigenen Bienen. Warum? „Es fasziniert mich, wie so kleine Lebewesen so viel auf ganz eigene Art bewirken können. Für mich war das lustigste Erlebnis, als mir eine junge Königin von meiner Hand davonflog und sie dann am nächsten Tag wieder im Volk zu finden war.“

Elija Raab im Imkeranzug © Birgit Raab
© Birgit Raab

Elija Raab im Imkeranzug


„Imkern bleibt aufgrund der vielen neuen Krankheiten ständig fordernd“, erzählt der heute 13-Jährige. Unterstützt von seinen Eltern, gehört er in Arbesbach zu den „alten Füchsen“, was Imkern betrifft. Er ist sehr zielstrebig, möchte eine Königinnenzucht auf sehr hohem Niveau, eine erfolgreiche Imkerei haben und den Jungimkerwettbewerb gewinnen. Bei diesem bundesweiten Wettbewerb hat Elija bereits drei Mal sehr erfolgreich teilgenommen. Gelesen darüber hat er selber in „Biene Aktuell“ und alles daran gesetzt, jünger als normal erlaubt teilnehmen zu dürfen: „Zwei fünfte Plätze habe ich bereits erreicht, ich will aber gewinnen und mit meiner Arbeit Menschen anregen, sich vermehrt mit Bienen zu beschäftigen. Die Zahl der Imker muss weiter steigen.“

Ein Mostviertler ist Bio-Imker des Jahres 2023

Die Bio-Imkerei Fuchssteiner in Oberndorf, die seit 2011 ganz bewusst kontrolliert biologisch wirtschaftet, wurde vergangenen Herbst mit der bundesweiten Auszeichnung „Bio-Imker des Jahres“ prämiert. Rund 100 Bienenvölker besitzen die Fuchssteiners. Mit 50.000 bis 70.000 Bienen pro Volk zur Hochsaison sind das ganz schön viele Tiere. „Etwa 30 Kilogramm Honig gewinnen wir jährlich pro Bienenvolk. Unsere Bienen sind auf acht verschiedenen Standorten im Umkreis von zirka 30 Kilometern verteilt, wobei wir uns gerne Richtung Gebirge orientieren, so ergeben sich geschmacklich verschiedene Honigsorten“, erklärt Harald Fuchssteiner.

Eisenhut-Hummel fliegt den blauen Eisenhut an © Stephan Dittrich

Bombus Gerstaeckeri: die Eisenhut-Hummel fliegt den blauen Eisenhut an. Beides schon sehr selten, weil sie ohne einander schwer existieren können. Hummeln zählen übrigens zu den Wildbienen.

Foto © Stephan Dittrich

Über 600 Bienenarten in Niederösterreich

Honigbienen leben ausschließlich in Bienenstöcken, Wildbienen hingegen überwiegend als Einsiedler. Sie stellen je nach Art unterschiedliche Ansprüche an ihre Nistplätze. Fast 50 Prozent der Wildbienenarten nisten unter der Erde. Weitere Nistplätze bieten morsches Holz, Pflanzenstängel oder sogar leere Schneckenhäuser, die zu Brutkammern umfunktioniert werden. 

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Film: Michaela Auer / Schnitt: Petra Ortner

Blütenstaub und Nektar dienen der Honigbiene als Nahrung. Dabei wird der Nektar zu Honig verarbeitet und dient als Vorrat für den Winter. Die allein lebende Wildbiene stellt dagegen keinen Honig her. Sie verbraucht den Nektar direkt.

»Wir vergeben in überschaubarem Rahmen Bienen-Patenschaften. Damit machen wir die Imkerei zum spürbaren Erlebnis«

sagt Bio-Imkerin Heidi Fuchssteiner

Mit der Kampagne „Wir für Bienen“, die von der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ koordiniert wird, wird der Fokus auf die Biodiversität in Niederösterreich gelegt. Mit über 600 verschiedenen Arten haben wir die höchste Bienen-Diversität aller mitteleuropäischen Länder. „Wir für Bienen“ ruft die Bevölkerung auf, ihren Teil zur biologischen Vielfalt beizutragen und den Bienen und Insekten Heimat zu geben. Mit einer Wildblumenwiese anstelle des englischen Rasens oder einem Bienenplatzerl am Balkon ist das leicht umsetzbar.

Wildbienen vermehren

© Elisabeth Selner

Der Mostlandhof in Purgstall setzt auf Wildbienen
für die Bestäubung seiner 650 Obstbäume und achtet auch auf deren Vermehrung.


Der Verein Wildbienengarten hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wildbienen gezielt zu vermehren. Ein sehr fruchtbares Beispiel der Initiative ist der Mostlandhof von Elisabeth und Andreas Selner in Purgstall. Zur Bestäubung der zirka 650 Obstbäume mit roten und gehörnten Mauerbienen sind die Selners seit über fünf Jahren Wildbienen-Paten. „Vielen ist nicht bewusst, dass die Bestäubung der Pflanzen durch Bienen die Grundlage für unser Leben ist. Bei uns sind in den letzten Jahren aus 300 Wildbienen bereits 6.000 geworden, was genau dokumentiert wird. Den Überschuss an Wildbienen-Larven spenden wir an den Verein Wildbienengarten“, erklärt Sissi Selner. Um die Initiative noch bekannter zu machen, gibt es viele verschiedene Aktivitäten des Vereins, zum Beispiel auch das Wildbienenfest.

»Der Warenfluss wird bei der Bio-Imkerei strengstens kontrolliert. Es muss nachvollziehbar sein, aus welchen Quellen der Bio-Honig stammt«

erklärt Bio-Imker Harald Fuchssteiner.

Anfänger, mit zum Beispiel nur einem Wildbienenhotel, welches um unter 100 Euro zu bekommen ist, erhalten Larven vom Mostlandhof oder vom Verein Wildbienengarten. Zusammenhalten heißt es auch im Fall von Schädlingen. Betroffene Wildbienen-Besitzer können durch Larven vom Mostlandhof wieder weitermachen. 

Sonja Cruz Flores mit ihrem Wildbienenhotel © Michaela Auer
© Michaela Auer

Sonja Cruz Flores mit ihrem Wildbienenhotel


Wildbienen

Sie sind klein, groß, pelzig, schillernd, lauter oder leiser – einfach vielfältig!

Ihre Gefährdungen sind vor allem Pestizide und der Verlust der Pflanzenvielfalt durch Monokulturen.

Mehr als 1/3 der Bestäubungsleistung unserer Nahrungsmittelpflanzen wird von Wildbienen verrichtet!

Wildbienenfest:

13. Oktober 2024

Mostlandhof, Schauboden 4, 3251 Purgstall

www.mostlandhof.at

Im Oktober heißt es am Mostlandhof dann Wildbienen reinholen, Wildbienen-Hotels putzen und vor allem die Larven versorgen und für weitere Vermehrung der Wildbienen „konservieren“. Dafür sammelt, wäscht, trocknet und sortiert Andreas Selner die Larven, die dann kühl gelagert werden: „Möge es weiterhin summen vor unserer Haustür!“ 

3x Nachgefragt:

…bei Imkerei-Experte Fabian Pöcksteiner vom „Honigraum“ in St.Georgen am Ybbsfelde:

Wie schaut die Arbeit eines Imkers im Jahreskreis so aus?

Sehr abwechslungsreich! Im Winter sind Arbeiten „drinnen“ zu erledigen, wie zum Beispiel Rähmchen zu reparieren. Dann kommt der Reinigungsflug und die Frühjahrsrevision im März, wo wir kontrollieren, ob die Bienen noch genügend Futter haben, ob es der Königin gut geht und ob es Brut gibt. Im April und Mai erfolgt die Raumgabe durch Erweiterung der Magazinbeuten. Ab Ende Mai steht die erste Honigernte an. Dazwischen sind Schwarmbildungen möglich, die natürlich auch kontrolliert werden müssen. Nach Ende der Tracht im August findet die letzte Schleuderung des Honigs statt, anschließend werden die Bienenvölker wieder aufgefüttert und für den nächsten Winter vorbereitet.

Foto © Michi Auer

…beim Bio-Imker des Jahres 2023, Harald Fuchssteiner in Oberndorf an der Melk: 

Was sind die Unterschiede zwischen Bio- und  konventioneller Imkerei?

Meist gibt es hier ein großes Aufschreien, denn Bienen fliegen im Radius von drei Kilometern unkontrollierbar überall hin. Bei der Bio-Imkerei ist vieles wesentlich: die Auswahl der Standorte nach ökologischen Grundlagen, die Haltungsbedingungen der Bienen und die Arbeitsweise. Die Bewahrung der natürlichen Reinheit des Bienenwachses ist sehr wichtig. Weiters wohnen die Bienen in Kästen aus Holz. Wir stutzen den Bienen-Königinnen die Flügel nicht und unsere Lagergefäße für den Honig sind aus Edelstahl und nicht aus Plastik. Zudem erfolgt die Fütterung der Bienen mit Bio-Zucker.

Foto © Theo Kust

…bei Susanne Rosenkranz, Landesrätin für Tierschutz: 

Gibt‘s Strategien zur Eindämmung der Asiatischen Hornisse?

Wichtig ist, dass Nester möglichst früh gefunden werden, denn natürliche Feinde hat die Asiatische Hornisse so gut wie keine. Experten gehen davon aus, dass sich heuer oder kommendes Jahr der Aufenthalt in Österreich durch Nestbildung festigt. Der Verdacht einer Sichtung sollte umgehend bei der  Abteilung Naturschutz – post.ru5@noel.gv.at – gemeldet werden.

Foto © Susanne Rosenkranz

gesponsert

Bienen in Niederösterreich

Rund 90 Prozent aller heimischen Arten kommen in Niederösterreich vor. Die kleinste ist knapp 4 mm groß, es ist die Steppenbiene. Die blauschwarz-glänzende Holzbiene zählt mit 30 mm Körperlänge zu den größten ihrer Art.

Blauschwarze Holzbiene © Juergen Staretschek CC BY-SA 4.0
Blauschwarze Holzbiene. ©Juergen Staretschek
Steckbriefe vieler Bienen
sind hier zu finden:

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