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AMS: Drehscheibe des Arbeitsmarktes statt Auffanglager

AMS Waidhofen © Werner Fally

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Vor 30 Jahren

wurde aus der ehemaligen Arbeitsmarktverwaltung das heutige „Arbeitsmarkt-service“. Mit der Änderung des Begriffs erweiterten sich sukzessive auch die Aufgaben.

Vom „Arbeitsamt“ hat wohl jede in Österreich lebende Person schon mal gehört. Noch immer ist dieser Begriff präsent und noch immer wird Arbeitslosigkeit mit einer Landung auf dem Abstellgleis verknüpft.

»Wir sind beratende Menschen,
die auf Augenhöhe kommunizieren und auf die Leute eingehen wollen, um gemeinsam an Zielen zu arbeiten.«

Gerald Pöchhacker, der Leiter des AMS Waidhofen/Ybbs erklärt im persönlichen Gespräch, dass sich mit der Änderung des Namens 1994 die Kernaufgaben insofern geändert haben, dass aus einem Vermittlungsinstitut ein kundenorientiertes Serviceunternehmen geworden ist, das sich am regionalen Arbeitsmarkt orientiert. Heute sind die Leistungen des AMS Österreich auf einer Vorreiterposition in der EU. Dennoch haben die Menschen nicht immer nur positive Assoziationen – im Spannungsfeld zwischen individuellen Ausbildungswünschen und den Anforderungen des regionalen Arbeitsmarkts. Aber was sind jetzt genau die Kernkompetenzen des AMS und welche Unterstützungen werden geleistet?

Foto © Silvia Wagner

Blog Foto 1 A Rgs Waidhofen Ybbs Geschaeftsstellenleiter Gerald Poechhacker

Serviceorientierung und Jobvermittlung

Die Hauptaufgabe des AMS ist nach wie vor, die Arbeitslosigkeit kurz zu halten. Die Vorstellung als reines Ausbildungsinstitut oder „Auffanglager“ ist aber jedenfalls überholt. Gerald Pöchhacker erklärt, dass das Arbeitslosengeld eine Versicherungsleistung darstellt, wo man während seiner Arbeitstätigkeit einzahlt und im Schadensfall der Arbeitslosigkeit einen rechtlichen Anspruch auf Leistungen hat. Besteht aufgrund einer ausreichend langen Beschäftigung Anspruch auf Arbeitslosengeld, so wird in einem Startgespräch mit einem Berater oder einer Beraterin abgeklärt, welche Möglichkeiten es für den Kunden gibt und was am Sinnvollsten ist. Die individuellen Ausbildungswünsche werden oft durch individuelle Vermittlungswünsche ersetzt oder ergänzt. 

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© Werner Fally

»Der Arbeitslosengeldanspruch ist eine Versicherungsleistung.
Wenn der Schadensfall einer Arbeitslosigkeit eintritt, dann wird gefördert, was im Sinne der Allgemeinheit am dienlichsten ist.«

Der Leiter des AMS Waidhofen betont, dass es ihnen besonders wichtig ist, dass wirklich jede Kundschaft ein Angebot bekommt, aber „jeden Ausbildungswunsch können wir leider nicht erfüllen, dafür sind die Rahmenbedingungen zu eingeschränkt. Auch wenn persönliche Wünsche wirklich gut nachvollziehbar sind, müssen wir uns auch an den Bedürfnissen am Arbeitsmarkt orientieren und leider auch manchmal Nein sagen.“

Jugendliche erhalten neue Perspektiven

Es ist auch möglich, Förderungen ohne Arbeitslosengeldanspruch zu erhalten. Das ist besonders für Jugendliche wichtig und eröffnet oft ganz neue Perspektiven außerhalb der schulischen Ausbildungswege. Ob überbetriebliche Lehre, Qualifizierungsangebote oder spezielle Förderpunkte für Frauen: Gemeinsam mit den Klientinnen wird ein Ziel festgelegt, das sowohl den Anforderungen am Arbeitsmarkt als auch den individuellen Wünschen entspricht. „Jugendliche müssen keine Sorge haben, dass sie übrig bleiben, man muss einfach nur herkommen. Es gibt viele tolle Institutionen, die die Jugendlichen in deren Sinne fördern“, so Pöchhacker.

Unterstützung für Arbeitsuchende und Betriebe

Die Förderungen für Einzelpersonen sind vielfältig und reichen von der beruflichen Reha, welche auch einen Einstieg in ein neues Berufsfeld ermöglicht, wenn es aus gesundheitlichen Gründen sinnvoll erscheint, bis zu Höherqualifizierungen oder Umschulungen, die man in Bildungskarenz, Bildungsteilzeit oder mittels Fachkräftestipendium absolvieren kann. 

»Wir sind sehr serviceorientiert, aber es ist wichtig,
dass man gemeinsam daran arbeitet.«

Das FiT-Programm (Frauen in der Technik) soll Frauen für technische Berufe begeistern. Es beinhaltet eine Orientierungsphase, auf die eine Basisqualifizierung folgt, mit einem Praktikum über mehrere Wochen oder auch Monate. Im Anschluss daran gibt es die fachliche Ausbildung in diversen Ausbildungszentren.

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© Werner Fally

Vom Alter her geht der Trend in Lebenslanges Lernen. Als Bildungsberaterin weiß ich, dass es auch mit über 50 noch möglich ist, einen Lehrabschluss in seinem Traumberuf nachzuholen und die letzten Jahre vor der Pension in einem erfüllenden Beruf arbeiten zu dürfen. 

»Es gibt tolle Institutionen,
die Jugendliche in deren Sinne fördern.«

Grundsätzlich werden Höherqualifizierungen arbeitsmarktpolitisch beurteilt. Wenn es schneller geht, dass man in der Region mit seiner bisherigen Ausbildung einen Job findet, dann hat die Vermittlung Vorrang. Zum Beispiel sind in der Region gerade sehr viele Stellen im Gastrobereich frei – ein neuer Job ist hier für entsprechend Ausgebildete also schneller zu erreichen als ein neuer Berufsabschluss.

Eigeninitiative gefragt

Hat eine Person einen Ausbildungswunsch von dem sie nicht weiß, wie sie ihn erreichen kann, ganz egal ob sie arbeitslos ist oder nicht, dann kann sie sich bei der kostenlosen und unverbindlichen bbn – Bildungs- und Berufsberatung NÖ – einen ausführlichen Beratungstermin vereinbaren. In der Regel gibt es in der Region Ybbstal Bedarf im Metall-, Pflege- und Gastrobereich, sowie auch in Bäckereien und Fleischereien.

Woman & Work: 29. Mai 2024

Eine besonders interessante Informationsveranstaltung wird jährlich für Wiedereinsteigerinnen angeboten. An einem Vormittag treffen sich in allen regionalen Geschäftsstellen Berater und Beraterinnen des AMS, der AK, der bbn und verschiedener (Frauen-)Beratungsstellen und Kursanbieter und informieren ausführlich über die Möglichkeiten für die Zeit nach der Elternkarenz. 

In lockerer Atmosphäre kann man sich hier über alle Fragen für die Planung danach informieren.

Förderungen für Unternehmen

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© Werner Fally

Es gibt auch zahlreiche Unterstützungen für Unternehmen. Eine Maßnahme ist hier die Qualifizierungsförderung für Beschäftigte. Hier werden Kurskosten und Lohnkosten für bestimmte Zielgruppen gefördert. Wenn Unternehmen eine erwachsene Person als Lehrling einstellen, müssen sie ihr einen höheren Lohn bezahlen, können dafür aber vom AMS oder der WKO eine Förderung erhalten. 

Vollbeschäftigung in den Jahren 2022 und 2023.

Im Bezirk Waidhofen/Ybbs gab es in den letzten Jahren die beste Arbeitslosenrate seit langem. Mit 2,9% im Durchschnitt im Jahr 2023 (2022 waren es sogar nur 2,5%) wurde das Ziel der Vollbeschäftigung (unter 3,5% Arbeitslose) in den letzten Jahren einmal mehr erreicht. 2024 ist aufgrund der saisonbedingten (Winter) höheren Quote bisher noch nicht aussagekräftig. Die aktuelle Zahl für März liegt bei 3,7%. 

Geschichtliches zum „Arbeitsamt“

Die Industrialisierung machte Arbeitsvermittlung bedeutsam, und so gab es bereits im 14. Jahrhundert in Paris erste Arbeitsvermittler. Im deutschsprachigen Raum wurde 1421 die erste Stellenvermittlung – in Nürnberg – gegründet. Durch die Entstehung zahlreicher Fabriken in Österreich stieg bis 1844 der Arbeitskräftebedarf so stark an, dass es überhaupt keine Arbeitsmarktprobleme gab. 

Erstmals im Jahr 1845 kam es zu einem Einbruch, weil die Wirtschaft massiv unter Kaufrückgängen litt und zahlreiche Fabriken schließen mussten. Unzählige Arbeiter verloren ihren Job und Missernten in der Landwirtschaft in den Folgejahren verschärften die Situation zusätzlich. Viele tausend Menschen waren arbeitslos, Sozialleistungen gab es damals noch keine. Durch die veritable Wirtschaftskrise war das Armen- und Unterstützungswesen der Gemeinden als einzige existente Hilfsmaßnahme völlig überfordert. Die Krise mündete in der Zerschlagung der Märzrevolution von 1848. 

Im nächsten Jahrzehnt kam es zu einem neuerlichen wirtschaftlichen Aufschwung und somit zu einer Verbesserung der Arbeitssituation.

Arbeitsvermittlung als Aufgabe des Staates

Seit 1859 gibt es das Vermittlungsgewerbe und Jahre später entstanden die ersten öffentlichen Arbeitsämter. In Österreich wurde das erste „Städtische Arbeitsvermittlungsamt“ in Wien 1898 gegründet und erhielt den Auftrag, jede Art der Arbeitsvermittlung für das ganze Land durchzuführen. Von der Stadt Wien finanziert, kümmerte man sich um Arbeitssuchende und auch um die Anforderungen der Unternehmen. 

Auslöser für die Errichtung der Arbeitsämter war der Erste Weltkrieg, weil rückkehrende Soldaten wieder in die Arbeitswelt integriert werden mussten. Der erste Meilenstein in der Geschichte des Sozialstaates wurde im Dezember 1917 gesetzt: Das Amt für soziale Fürsorge wurde gegründet und regelte erstmals die gesamte Arbeitsvermittlung im Land, was als Geburtsstunde der österreichischen Arbeitsmarktverwaltung gilt. Als 1920 das erste Arbeitslosenversicherungsgesetz in Kraft trat, kam es zur Umbenennung in „Arbeitslosenämter“. 

Eine aktive Arbeitsmarktpolitik mit der Zielsetzung der Vollbeschäftigung und Verhütung von Arbeitslosigkeit gibt es in Österreich seit 1968. Die „Arbeitsmarktverwaltung“ (AMV) entstand, mit den Schwerpunkten Information und Beratung, Vermittlung von Arbeitssuchenden und Betreuung von Betrieben, sowie die Abwicklung finanzieller Leistungen. 

Von der Verwaltung zum Service

Mit der Umbenennung in „Arbeitsmarktservice“ sind seit 1994 die Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter auf allen Ebenen in die Arbeitsmarktpolitik und Entscheidungsstrukturen mit eingebunden. Als öffentlich-rechtliches Dienstleistungsunternehmen wurden auch die Bereiche Beratung und Information zu wesentlichen Aspekten. 

Die Dienstleistungen der Beratung und der Vermittlung werden durch finanzielle Leistungen ergänzt. Neben Beihilfen und Förderungen werden auch Schulungen und andere Qualifizierungsmöglichkeiten angeboten.

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Überblick
möglicher Förderungen:

➙ Überbetriebliche Lehre 

➙ Bildungskarenz

➙ Bildungsteilzeit

➙ Fachkräftestipendium

➙ Bildungsteilzeit

➙ Bildungsteilzeit
für Unternehmen

➙ Bildungsteilzeit

➙ Bildungsteilzeit

➙ Bildungsteilzeit
nach Karenz

 

 

Beratung zu den Förderungen bieten die Geschäftsstellen des AMS, aber auch die

Bildungs- und Berufsberatung NÖ: 

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