Hammerschmiede Hollenstein

Von Maria Martina Lang | Lesezeit ca. 6:45 Minuten

SCHMIEDEKUNST

hat im Mostviertel eine lange Tradition. Im Kulturpark Eisenstraße, der die Gegend zwischen Ybbs und Erlauf umfasst, lässt sich auch heute noch viel Interessantes entdecken.

 

Ybbsitz Treffengut Hammerschmiede
© Maria Lang

 

Um zu verstehen, warum die Eisenverarbeitung in unserer Gegend viele Jahrhunderte hindurch so wichtig war, müssen wir in der Geschichte ein wenig zurückreisen, zum Ende des Mittelalters, Anfang bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Damals war die Eisenwurzen, also die Gegend um den Erzberg plus Teile von Nieder- und Oberösterreich, die wichtigste Eisen produzierende Region Europas. Durch den weitreichenden Handel vor allem entlang der Donau wurde bis Süddeutschland, den Balkan und Ungarn, ja sogar bis Asien Erz geliefert. Der dadurch erlangte Wohlstand zeigt sich noch heute in Form von luxuriösen Bürgerhäusern der sogenannten „Schwarzen Grafen“.

 

Wurzel des Eisens

Das Eisen bester Qualität verwendete man zur Waffenerzeugung. Das etwas minderwertigere Roheisen lieferte man an Hammerschmieden. Um die Versorgung der Bergbaugegend um den Erzberg sicherzustellen, war die Bevölkerung der Eisenwurzen verpflichtet, das Erz gegen Lebensmittel einzutauschen. Damals verwendete man für das Schmiedefeuer vorwiegend Holzkohle, also war auch der Beruf des Köhlers sehr bedeutend. Es waren also verschiedenste Berufsgruppen notwendig, um die Eisenerzeugung erfolgreich zu gewährleisten. Auch Hollenstein an der Ybbs gehört zur Region Eisenwurzen und war damals neben Ybbsitz ein wichtiges Zentrum der Eisenverarbeitung. An manchen Tagen wird hier auch heute noch geschmiedet, zum Beispiel in der Treffengut Hammerschmiede. Wir haben uns auf den Weg gemacht, um einen der neun Aktiven der „Schmiederunde“ zu besuchen.

 


Zwei riesige Schlote überragen das Gebäude, das direkt am Bach liegt. Andi Schneiber zeigt uns die Räumlichkeiten: eine geräumige Werkstatt mit offenem Feuerplatz, genannt „Esse“ und einem historischen Blasebalg aus Holz und Leder. Im Raum verteilt einige Ambosse und größere Maschinen. In einem Nebenraum hängen Fotos und Berichte an der Wand. Alles zusammen wirkt ein wenig wie ein Museum, allerdings wird hier immer noch aktiv das Schmiedehandwerk betrieben.

 

Andi teilt Lederschürzen aus, um unsere Kleidung vor Ruß und Hitze zu schützen. Dann wird Feuer in der Esse gemacht. Dafür gab es in einem Hammerwerk früher extra einen Heizer, der den ganzen Tag nur damit beschäftigt war, das Feuer am Lodern zu halten. Wir betätigen begeistert mit dem Fuß den Mechanismus und staunen, wie sich der riesige Blasebalg bewegt. Doch auf Dauer ist das harte Arbeit und wir wechseln dann doch zum modernen Gebläse. „Wenn man den ganzen Tag körperlich arbeitet“, erzählt Andi, „braucht man ganz schön Energie. Die Schmiede und Holzknechte verbrannten damals locker 5.000 bis 8.000 kcal. Darum gab’s zum Frühstück deftige Nocken und ein Häferl flüssiges Butterschmalz statt Kakao.“ Glücklicherweise hab’ ich eine Dose selbstgemachter Müsliriegel mit, für den extra Energiebedarf.

 

Ybbsitz Treffengut Hammerschmiede  - Andreas Schneiber
© Maria Lang

Schmied Andreas Schneiber
erklärt das Wichtigste, bevor es losgeht.



Koks und Kohle

Als das Feuer ordentlich brennt, gibt Andi Steinkohle dazu und sofort raucht es gelblich-grau. Er erklärt uns, dass man früher mit Holzkohle geschmiedet hat, später aber mit Braun- und Steinkohle, da sie stärkere Hitze erzeugen kann. Allerdings muss zu Beginn der enthaltene Schwefel in Form von Rauch entweichen. In der Mitte des Feuers bleibt dann Koks zurück, der sich ideal zum Erhitzen von Eisen eignet. „Fürs Würstelgrillen ist Holzfeuer besser“, meint er lachend. „Die Steinkohle verdirbt den Geschmack.“

 

Ybbsitz Treffengut Hammerschmiede
© Maria Lang

 

Zu Beginn darf sich jeder einen Hammer aussuchen, davon hängen jede Menge an der Wand. Auch hier gibt uns Andi gute Tipps. Schwere Hämmer sind für Anfänger von Vorteil, da man wegen des Gewichts nicht so stark draufschlagen muss. Er nimmt einen Stab Roheisen und legt diesen mit einem Ende ins Feuer. Sobald er orange-rot glüht, nimmt er ihn heraus und schlägt zuerst mit dem Hammer das Eisen zu einer Spitze. Die Schmiedetemperatur liegt zwischen 850 und 1.000 Grad Celsius. Sehr heißes Eisen wird hell, fast weiß, daher die Redewendung: „Du bringst mich zur Weißglut“. Allerdings beginnt das Eisen in diesem Zustand, fast flüssig zu werden. Ideal ist die Temperatur, wenn es teigig weich ist und sich gut bearbeiten lässt.

 

»Sehr heißes Eisen wird hell, fast weiß, daher die Redewendung: „Du bringst mich zur Weißglut.“«

 


Die rote Farbe lässt beim Abkühlen schnell nach, doch Vorsicht! Der erfahrene Schmied warnt uns, niemals ein Stück heißes Eisen anzurühren, auch wenn es grau ist. Es kann dann immer noch mehrere hundert Grad haben! Ein gängiger Spruch: „Beim Apotheker soll man nicht alles kosten, beim Schmied nicht alles angreifen.“ Er warnt uns auch, niemals direkt in das Feuer zu schauen. Das kann nämlich, wenn man es öfter macht, grauen Star hervorrufen, eine „klassische“ Schmiedekrankheit.

 

Zunder ist Abfall

Nun sind wir an der Reihe, ein eigenes Stück Roheisen unter Anleitung zu bearbeiten. Es wird gehämmert, dass es eine Freude ist und zwischendrin beantwortet Andi immer wieder unsere Fragen.

 

»Die Hammerwerke hier in der Gegend waren im Prinzip mittelalterliche Stahlwerke.«

 

Beim Schlagen auf das glühende Eisen entstehen graue Flocken, die auf dem Amboss zurückbleiben. „Das ist Zunder“, meint Andi. Ein Teil des Eisens oxidiert und bleibt als „Abfall“ zurück. Guter Stahl bildet keinen Zunder mehr. Er wird so oft geschlagen, bis er ganz rein ist. Die Hammerwerke hier in der Gegend waren also im Prinzip mittelalterliche Stahlwerke.

 

Man kann viel lernen über die Schmiede und ihr Leben.



Nachdem jeder seinen Eisenstab spitz geklopft, eingekerbt und breitgeklopft hat, sodass die Form eines Blattes entstanden ist, holt Andi einen Spezialteil für seinen Amboss und beginnt, das Stück Eisen abzutrennen. „Schroten“ nennt man das, erklärt er schmunzelnd. Viele Arbeitsabläufe haben hier eigene Namen. Das Ende des Eisenblatts wird nun lang und dünn geklopft und gebogen und anschließend im ausgekühlten Zustand mit einer Messingbürste poliert. Dadurch entsteht ein goldener Schimmer. Abschließend wird es noch in Melkfett getaucht – als Korrosionsschutz – und dann in Wasser. Fertig ist unser selbstgemachter Schlüsselanhänger!

 

Die Feuerstelle wird nun geputzt. Der verbrannte Koks ist zu Schlacke geworden – ein Abfallprodukt, das man heute teilweise zu Asphalt mischt.

 

Das Schmieden hat Andi zwar auch gelernt, es ist aber mehr ein Hobby, das er mit seinen Kollegen der Schmiederunde teilt – und auch sehr gerne mit Besuchern wie uns. Ich kann dies wärmstens empfehlen.

 

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Treffengut Hammer

Dornleiten 19, 3343 Hollenstein an der Ybbs

📞 07445 218-15

📧 gemeinde@hollenstein.at oder 
📧 christine.baron@hollenstein.at

🌐 www.hollenstein-ybbs.gv.at

Dieser Beitrag erschien erstmals 2021 im momag


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